Tag der Poesie am Arbeitsplatz oder...

... was hat Beppo der Straßenkehrer damit zu tun?

Heute ist Welttag der Poesie am Arbeitsplatz. – Aha.

Was denkt Ihr/Sie, wenn Sie das lesen?

Mir ist erstmal mein letzter Podcast vom 5. Januar eingefallen – das Interview mit der Autorin und Coach Cordula Casaretto zu Ihrem neuen Buch „Berufliche Veränderung – darf es auch das Beste sein?“ In dem Buch geht es nämlich u. a. um eine Reflexion darüber, was jeder Einzelnen individuell braucht, um sich an seinem Arbeitsplatz und mit seiner Arbeit wohlzufühlen. Hier gern nochmal zum Nachhören: bit.ly/39pxb9Q

Als Nächstes kam mir der Straßenkehrer Beppo aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende in den Sinn. Das Buch habe ich lange nicht mehr gelesen und ich habe auch lange nicht darüber nachgedacht. Aber trotzdem fällt mir eine Textstelle ein, die ich zum heutigen Tag mit Euch/Ihnen teilen möchte:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

„Nicht tun, was du liebst, sondern lieben, was du tust“ – das ist hier das Motto. Ich persönlich glaube, dass es Beides ist. Finde etwas, das du lieben kannst – dich mit Freude und Sinn erfüllt. Verabschiede dich gleichzeitig von dem Gedanken, dass das an 365 Tagen im Jahr so sein wird und tue die Dinge, die getan werden müssen im Hier und Jetzt, selbstverständlich.

Ich selbst habe einen Beruf der mich erfüllt. Und dabei jede Menge Dinge zu erledigen, die mir weniger Spaß machen – Buchhaltung, Steuererklärung, Kundenakquise, coronabedingte Umorganisationen – überhaupt: Organisationskram. Das macht etwa 40% meiner Arbeitszeit aus. Aber es ist wichtig, damit ich meiner Berufung nachgehen kann - es gehört dazu. So einfach ist das.

Zurück zum Tag der Poesie: Welcher Dichter kann schon vom Dichten leben? Die meisten haben dazu noch einen Brotberuf. In diesem Sinne: „Dichten“ Sie (gerne auch in den Kommentarspalten) und tun dann das, was Beppo der Straßenkehrer uns vormacht.

Herzlich,

Ihre Anja Mumm

Auszeit vom Job